In den Tagen der Angepasstheit, wo das Essen nicht mehr blutet, die Habenichtse hingegen schon, drehen die Autoren der Edition Groschengrab den Mist des Lebens zu Perlen. Worte suchen ihren Weg ins Freie. Die Edition Groschengrab hat es sich zur Aufgabe gemacht sie einzufangen. Die Buchdeckel müssen einladend sein, denn die Texte sind widerspenstig und eigenwillig: Sie gehen nicht mit Jedem. Das Anliegen ist, ihnen einen bequemen Platz einzurichten, wo sie sich gerne lesen lassen.

AUS DEM GROSCHENGRAB

Literarisches & Aktuelles

Schnellstraßenblues

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Mit einem satten Schmatzen schließt sich die Autotür hinter Paula Pelzfuß. Sie richtet den Rückspiegel ein und betrachtet kurz die kleinen Tränensäcke unter ihren Augen. Obwohl sie täglich mit gesalzenen Fingern darauf herumklopft, wie es die Dame in dem Video gezeigt hat, verschwinden sie nicht. Einige Jahre lang glaubte sie, sie müsse nur ein paar Mal richtig ausschlafen, dann gingen die wieder weg. Mittlerweile denkt sie, dass es vielleicht am Alter liegt und irgendwie dazugehört. Mittlerweile denkt sie auch manchmal, dass die Dame in dem Video womöglich eine Lügnerin ist und ihre Geheimnisse zur Wiedererlangung der Jugend allesamt nur Geschichten…

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Die Quadratur des Teufelskreises

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Der Tag beginnt nie mit einem Klingeln. Er schleicht sich an. Das Licht wechselt draußen. Ich spüre es, obwohl meine Augen geschlossen bleiben. Die Decke ist schwer, ein Anker. Aufstehen eine Unmöglichkeit, ein Gedanke, der zu viel Kraft kostet. Ich liege einfach da. Hunger ist eine dumpfe Sache. Ich ignoriere ihn. Heißgetränke trinke ich nicht. Kochen? Ist mir fern. Manchmal wanke ich, schwanke ich mich zur Küche. Dann greife ich in den Kühlschrank und trinke eine Mördermilch. Süß und kalt betäubt kurz, füllt etwas aus. Mehr nicht. Ich zünde eine Zigarette an. Der Rauch steigt auf. Er tanzt im schwachen…

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Globales Dorftrotteltum

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Die Welt ist bekanntlich ein Dorf. Das ist natürlich Quatsch, denn in welchem Dorf wohnen schon achteinhalb Milliarden Menschen? Außerdem würde das bedeuten, dass es – wie in jedem Dorf – nur einen Dorftrottel auf der Welt gibt. Dem dürfen die Kinder ungestraft Streiche spielen und im Wirtshaus bekommt er umsonst ein Bier und eine Suppe. Bürgermeister wird er sicher nicht. Aber bitte, leben wir halt in einem globalen Dorf. Das ist schließlich nicht die einzige Ungereimtheit auf diesem Planeten. Jedenfalls, die Welt ist voller Dorftrottel und jeder meint, er sei keiner. Bei so einer Unmenge kann man nicht allen…

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Die späte Rache der Lola Montez

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Der Himmel über Berlin, dem brodelnden Topf aus geschmolzenem Teer und lauer Mandelmilch-Latte, ist nur Hintergrund. Lola Montez lächelt, überirdisch spottend schwebt sie über der Dachterrasse eines sanierten Altbaus. Hitze ist Schwingung. Eiswürfel klirren in Gläsern, die Stadt zirpt im sommerlichen Kampf. Ein Grundrauschen irdischer Not streift Lolas Ohr kaum. Ein Drohnenschwarm, Insekten-Elektronik-Rache, summt durch schwüle Luft. Rote Augen spiegeln Firmen-Gier. Lola Montez, im Rausch des Jetzt, spürt das Flirren der Lichtteilchen, spürt die eigene fließende Existenz. Sie ist nicht Gejagte, nicht Geschmähte. Sie ist der Rausch, die zuckende Welt, der Tanz aus Feuer. Sie sieht Menschen unten, gefangen in…

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