In den Tagen der Angepasstheit, wo das Essen nicht mehr blutet, die Habenichtse hingegen schon, drehen die Autoren der Edition Groschengrab den Mist des Lebens zu Perlen. Worte suchen ihren Weg ins Freie. Die Edition Groschengrab hat es sich zur Aufgabe gemacht sie einzufangen. Die Buchdeckel müssen einladend sein, denn die Texte sind widerspenstig und eigenwillig: Sie gehen nicht mit Jedem. Das Anliegen ist, ihnen einen bequemen Platz einzurichten, wo sie sich gerne lesen lassen.

AUS DEM GROSCHENGRAB

Literarisches & Aktuelles

Aller Anfang ist schwer

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Mit den Redensarten ist es so eine Sache. Mein Vetter Kopernikus hatte zu jedem Vorkommnis – wie unbedeutend es auch gewesen sein mochte – eine auf Lager. Und was hat es ihm eingebracht? Er ist gestorben, wie jeder andere auch. Doch schon vor seinem Tod, der im Übrigen schmachvoll, schmerzhaft und vor der Zeit war, brachten sie ihm kein Glück. Kopernikus war natürlich nicht sein richtiger Name, aber alle Welt nannte ihn so, weil er ein heliozentrischer Typ war. „Dem Kleinen scheint die Sonne aus dem Arsch!“, rief die Hebamme kurz nach der Geburt dem Kindsvater Maximilian, seines Zeichens Schulbusfahrer…

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Schlimmer als Tiberius

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Tiberius war klein. Nicht nur klein im gewöhnlichen Sinne, sondern so, als hätte man ihn mit Absicht geschrumpft, bis die Welt um ihn herum zu einer bedrohlichen Ansammlung gigantischer Gegenstände wurde. Das Tischtuch ein Ozean aus Stoff, und jede Schuhsohle ein Hochplateau. Er hatte einen winzigen Bart, der ihm bis zum Bauchnabel reichte, falls man einen solchen bei seiner Statur hätte ausmachen können. Eines Mittwochs versuchte Tiberius, eine Fliege von der Wand zu vertreiben. Er holte einen Besen. Der Besen war natürlich viel zu lang und viel zu schwer. Er schwang ihn über seinem Kopf, verlor das Gleichgewicht und fiel…

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Müßiggang nach Canossa

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Dorothea Pelzfuß starrt das hellgrüne Kuvert an. Zarter Moschusduft steigt vom Papier auf und verursacht ihr leichtes Würgen. „Ich schicke Ihnen die Unterlagen in den nächsten Tagen zu“, hatte die Dame vom Amt gesagt. Ihr unverbindliches Beamtenlächeln war noch tagelang an Dorotheas Netzhaut kleben geblieben und hatte ihr die Aussicht versaut. Weil sie nicht am Wehrdienst teilnehmen will, hatte Dorothea Pelzfuß vorsprechen und sich erklären müssen. Der Staat hat ein Anrecht auf Erklärung, wenn eine seiner Bürgerinnen etwas aus der Reihe tun oder lassen will. Umgekehrt gilt das freilich nicht – der Staat geht seinen Tätigkeiten nach Belieben nach oder…

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Alles eine Frage des Stils

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„So etwas sagt man aber nicht“, sagt eine, die aussieht, als wäre sie in den 1970er Jahren als Teenagerin in einen etwas älteren Jung-Revolutionär verliebt gewesen, der sich aber nach einiger Zeit, sehr zu ihrem Leidwesen, als Riesenchauvi herausgestellt hatte. „Und wenn man schon derartiges sagt, dann muss man die Etikette achten. Es gibt nun einmal Regeln und Konventionen, die es einzuhalten gilt. Das habe ich selber schmerzhaft erfahren müssen. Damals. Stichwort: Deutscher Herbst und so. Aber was wisst ihr jungen Dinger, Entschuldigung, ihr jungen Leute, denn von früher? Nichts!“ Die Angesprochene, eine blasse, vom Leben noch wenig gezeichnete Frau…

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