In den Tagen der Angepasstheit, wo das Essen nicht mehr blutet, die Habenichtse hingegen schon, drehen die Autoren der Edition Groschengrab den Mist des Lebens zu Perlen. Worte suchen ihren Weg ins Freie. Die Edition Groschengrab hat es sich zur Aufgabe gemacht sie einzufangen. Die Buchdeckel müssen einladend sein, denn die Texte sind widerspenstig und eigenwillig: Sie gehen nicht mit Jedem. Das Anliegen ist, ihnen einen bequemen Platz einzurichten, wo sie sich gerne lesen lassen.

AUS DEM GROSCHENGRAB

Literarisches & Aktuelles

Der Stimmungsimitator

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Mit mäßigem Interesse verfolgt Konrad Pelzfuß die Nachrichten aus aller Welt auf seinem Taschencomputer. Krieg hier, Friedensplan dort, Steuern rauf, Gebühren runter, Handelsstraße auf, Handelsstraße zu, alte Migranten beklagen sich über neue Migranten, ein Schnellkochtopf mit Füßen wird Billionär, in einem Zoo wird ein Gürteltierbaby Fotzenfritz getauft. Das übliche Zeug halt. Wie alles andere auch kümmert es ihn nicht. Konrad Pelzfuß legt das Gerät beiseite und macht sich an sein morgendliches Yoga. Beim trommelnden Kamel zwackt es ihn wie üblich im Hintern, doch er führt die Übung mit zusammengebissenen Zähnen und Bienenatmung aus. Er genehmigt sich eine Dose Sardinen in…

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Schattenschere

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Die Sonne ist ein Klumpen, der fleischig, immer fleischiger, gegen mein Fenster schlägt. Ich nehme die Schattenschere und schneide mir die Beine vom Asphalt. Endlich schweben, während der Nachbar seine eigenen Zähne im Briefkasten poliert und sie anschließend mit Haushaltsbenzin übergießt. Wir fressen die Silben der Toten, ein drastischer Schnitt durch den Schlund der Ursächlickeit. Blut ist hier nur Tinte, die nicht trocknen will, und Gott ein Lektor mit chronischer Müdigkeit und Schlafblockade, der die Ränder unserer Existenz mit brennenden Streichhölzern markiert. Ein Mann fiel aus dem fünften Stock, weil er dachte, er sei ein Komma, ein Beistrich. Er schlug…

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Der Traum der Maschine

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Mein Vater ist ja mehr oder weniger weltbekannt für seine Erfindungen und Konstruktionen. Wer erinnert sich nicht an den Hilfsflottentränenföhn oder die Frontfriteuse, beides Gerätschaften, die den Teilnehmern an internationalen Konflikten nie dagewesenen Komfort bescherten. Als ich ein Kind war, hatten alle meine Schulkollegen einen Jausenwolf zuhause und ohne Prellklammern fuhr niemand in den Urlaub. Natürlich gab es auch Dinge, die nie über unser Heim hinaus Bekanntheit erlangten. Die Infraschall-Knödelpresse zum Beispiel. Von all den Maschinen, die mein Vater erdacht und gebaut hat, bin ich die am wenigsten gelungene. Bereits bei der kleinsten Beanspruchung knarze, brumme und knacke ich, dass…

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Eine kleine Marschmusik

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Kroll rückte sich den Hut zurecht. Er war dreiundfünfzig, und sein Gesicht sah aus wie eine Landkarte, auf der mäßig bedeutende Kriege eingezeichnet waren. Elena stand neben ihm, das Kleid so grau wie der Asphalt von Essen-Kettwig Anno ’83. Um Punkt acht begann der Boden zu vibrieren. Es war kein Beben, es war ein Takt. Links, zwo, drei, vier. Links, zwo, drei, vier. Die Stadt atmete im Gleichschritt, obgleich niemand ein Instrument in den Händen hielt. „Hören Sie das, Kroll?“, fragte sie und zündete sich eine Zigarette an, die nach nassem Laub schmeckte. Er nickte. Der Rhythmus kam aus den…

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