In den Tagen der Angepasstheit, wo das Essen nicht mehr blutet, die Habenichtse hingegen schon, drehen die Autoren der Edition Groschengrab den Mist des Lebens zu Perlen. Worte suchen ihren Weg ins Freie. Die Edition Groschengrab hat es sich zur Aufgabe gemacht sie einzufangen. Die Buchdeckel müssen einladend sein, denn die Texte sind widerspenstig und eigenwillig: Sie gehen nicht mit Jedem. Das Anliegen ist, ihnen einen bequemen Platz einzurichten, wo sie sich gerne lesen lassen.

AUS DEM GROSCHENGRAB

Literarisches & Aktuelles

Müßiggang nach Canossa

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Dorothea Pelzfuß starrt das hellgrüne Kuvert an. Zarter Moschusduft steigt vom Papier auf und verursacht ihr leichtes Würgen. „Ich schicke Ihnen die Unterlagen in den nächsten Tagen zu“, hatte die Dame vom Amt gesagt. Ihr unverbindliches Beamtenlächeln war noch tagelang an Dorotheas Netzhaut kleben geblieben und hatte ihr die Aussicht versaut. Weil sie nicht am Wehrdienst teilnehmen will, hatte Dorothea Pelzfuß vorsprechen und sich erklären müssen. Der Staat hat ein Anrecht auf Erklärung, wenn eine seiner Bürgerinnen etwas aus der Reihe tun oder lassen will. Umgekehrt gilt das freilich nicht – der Staat geht seinen Tätigkeiten nach Belieben nach oder…

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Alles eine Frage des Stils

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„So etwas sagt man aber nicht“, sagt eine, die aussieht, als wäre sie in den 1970er Jahren als Teenagerin in einen etwas älteren Jung-Revolutionär verliebt gewesen, der sich aber nach einiger Zeit, sehr zu ihrem Leidwesen, als Riesenchauvi herausgestellt hatte. „Und wenn man schon derartiges sagt, dann muss man die Etikette achten. Es gibt nun einmal Regeln und Konventionen, die es einzuhalten gilt. Das habe ich selber schmerzhaft erfahren müssen. Damals. Stichwort: Deutscher Herbst und so. Aber was wisst ihr jungen Dinger, Entschuldigung, ihr jungen Leute, denn von früher? Nichts!“ Die Angesprochene, eine blasse, vom Leben noch wenig gezeichnete Frau…

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Synthetisches Karma

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Ich kenne Ossi Petrossi seit dem Kindergarten. Er war schon damals ohne Furcht und während wir anderen Kinder – in steter Angst vor Frau Apfelbeck – versuchten, den lieben langen Tag möglichst unauffällig Bauklötze zu stapeln oder Schleifen zu üben, lachte er ihr frech ins Gesicht und drehte ihrem erhobenen Zeigefinger eine lange Nase. Auch später in der Schule spottete er über Strafen und Sanktionen oder tat sie achselzuckend ab. Seine Eltern hielten es vermutlich ebenso, wobei ich gar nicht sicher bin, ob er überhaupt Eltern hatte. Womöglich war er eine düstere Ausgabe von Pippi Langstrumpf und sein Vater Sklavenhändler…

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Die Panama Connection

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Der Klick kam nicht von außen, nicht einmal aus dem Schädel selbst, nur ein leises Einrasten im Raum zwischen den Nerven, ein Geräusch ohne Resonanz, eine Ahnung von Schaltkreis, der sich schließt. Leo spürte es zuerst im linken Schläfenlappen, ein Flackern, wie eine defekte Neon-Leuchtreklame, die plötzlich den exakten pH-Wert des Bodens unter einem namenlosen Gummibaum in einem verlassenen Gewächshaus in der Nähe von Nowosibirsk übermittelte: 6,7; dann die genaue Anzahl der Nieten einer Cessna 182, Baujahr 1978, in einer Vitrine eines Hobbykellers in Leeds: 1.243. Es war die Panama Connection, so taufte er die sinnlose, unablässige Blutung von Fakten,…

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