In den Tagen der Angepasstheit, wo das Essen nicht mehr blutet, die Habenichtse hingegen schon, drehen die Autoren der Edition Groschengrab den Mist des Lebens zu Perlen. Worte suchen ihren Weg ins Freie. Die Edition Groschengrab hat es sich zur Aufgabe gemacht sie einzufangen. Die Buchdeckel müssen einladend sein, denn die Texte sind widerspenstig und eigenwillig: Sie gehen nicht mit Jedem. Das Anliegen ist, ihnen einen bequemen Platz einzurichten, wo sie sich gerne lesen lassen.

AUS DEM GROSCHENGRAB

Literarisches & Aktuelles

Zugzwang

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Irgendwann kommt der Zeitpunkt, da muss man handeln, egal wie skeptisch man Tätigkeiten im Allgemeinen betrachtet. Benno Pelzfuß hat die Stimme seines Vaters im Ohr, als hätte der erst vor fünf Minuten zu ihm gesprochen und nicht vor ewig langer Zeit, als Benno noch ein saumseliger Jugendlicher war, der glaubte, die Menschheit könne allein durch Nichtstun vor dem Untergang gerettet werden. Früher konnte man nicht vom Sofa aus einen Kleinstaat ausradieren und nebenbei eine Orangenlimonade trinken. Faulheit ist keine Ausrede mehr für mangelnde Kampfbereitschaft und die Menschheit stirbt am dumpfen Zorn auf die eigene Dummheit, die nirgendwo so gut zu…

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Romanze in Pandoras Büchse

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Als Pandoras Büchse geöffnet wurde – ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen, an einem Tag, an dem das Wetter genau so war wie heute – waren alle Übel schon rasant entflohen. Kurz vor Schluss krabbelten zwei Übel in schier unendlicher Langsamkeit heraus: die Dummheit und die Bosheit. Die Dummheit hatte, einfältig wie sie ist, einfach nicht verstanden, dass sie und die anderen Übel jetzt frei waren, nicht mehr eingepfercht mit allem Übel dieser Welt, dass sie frei, frei, frei sei. Die Bosheit hatte ihre eigenen Motive, zu schleichen und nicht zu eilen. „Meine Zeit wird schon noch kommen“,…

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Aller Anfang ist schwer

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Mit den Redensarten ist es so eine Sache. Mein Vetter Kopernikus hatte zu jedem Vorkommnis – wie unbedeutend es auch gewesen sein mochte – eine auf Lager. Und was hat es ihm eingebracht? Er ist gestorben, wie jeder andere auch. Doch schon vor seinem Tod, der im Übrigen schmachvoll, schmerzhaft und vor der Zeit war, brachten sie ihm kein Glück. Kopernikus war natürlich nicht sein richtiger Name, aber alle Welt nannte ihn so, weil er ein heliozentrischer Typ war. „Dem Kleinen scheint die Sonne aus dem Arsch!“, rief die Hebamme kurz nach der Geburt dem Kindsvater Maximilian, seines Zeichens Schulbusfahrer…

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Schlimmer als Tiberius

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Tiberius war klein. Nicht nur klein im gewöhnlichen Sinne, sondern so, als hätte man ihn mit Absicht geschrumpft, bis die Welt um ihn herum zu einer bedrohlichen Ansammlung gigantischer Gegenstände wurde. Das Tischtuch ein Ozean aus Stoff, und jede Schuhsohle ein Hochplateau. Er hatte einen winzigen Bart, der ihm bis zum Bauchnabel reichte, falls man einen solchen bei seiner Statur hätte ausmachen können. Eines Mittwochs versuchte Tiberius, eine Fliege von der Wand zu vertreiben. Er holte einen Besen. Der Besen war natürlich viel zu lang und viel zu schwer. Er schwang ihn über seinem Kopf, verlor das Gleichgewicht und fiel…

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