Memento Moritz

Haus flüstert: „Moritz“. Nicht laut, eher ein Zischen zwischen morschen Dielen, Spalten im Mauerwerk und bröckelndem Putz. „Moritz, Moritz,“ haucht es, als Sonne durch seine fahlen Fenster fällt. Staub zeichnet Antlitze, Teilchen in Luft.

Stühle stehen verlassen, warten auf einen Gast, der nie kam. Teller, halbvoll mit Brei, steht auf dem Tisch – ein Festschmaus der Fliegen, die fliegen und krabbeln.

Garten verwildert, Efeu rankt sich ungestüm an der Fassade empor, birgt Geheimnisse von Spinnen. Unkraut hat Wege erobert. Vergessenheit frisst Rückblick und breitet sich aus wie dichtes Geweb.

Draußen kräht Hahn, sein Ruf verzerrt, vedichtet, wie durch einen Kompressor gedrückt.

Zeit steht still. Nur Haus erinnert sich an Moritz, an sein Lachen, seine langsamer werdenden Schritte, die wachsende Schwermut. Echo in leeren Räumen, Memento des Seins in Staub und in Schatten. Haus flüstert: „Moritz“.