Einerseits mag ich keine Fremdwörter und den Witz mit Catherina Ambivalente habe ich bereits vor zehn Jahren in einem Text verbraten. Das passiert mit der Zeit immer öfter, dass ich eine schneidige Formulierung benötige, aber sie ist gar nicht mehr schneidig, sondern steht verbraucht und stumpf in einer alten Geschichte, für die sich schon niemand interessiert hat, als sie noch aktuell war, was eine Mischung aus Düsterkeit und Verbitterung in mir weckt, für die ich mich räche, indem ich ellenlange Sätze hinschreibe, die am Ende nichts aussagen, nur um meine Leser zu ärgern.
Aber andererseits: Protoplasma. Das ist ein feines Wort. Im Alltag verwendet man es selten, so dass es zwar alt, doch nicht abgenutzt ist. Vintage sozusagen. Das wünsche ich mir für später. Ein Vintage-Gehirn, das zwar schon seit acht Dekaden in Betrieb ist, aber trotzdem noch einwandfrei funktioniert. Die Gelenke können meinethalben knacken und die Lunge soll pfeifen, Hauptsache das Gehirn läuft noch rund. Wer will schon eine graue, labrige Masse im Kopf, in der die Synapsen nur noch einsam vor sich hin glühen? Ewige Jugend soll es indes auch nicht sein. Schließlich mag ich nicht getrieben von Hormonen und Selbstzweifeln an mein Lebensende hasten. Dann lieber ein früher Tod, aber bitte kein schmerzhafter. Für einen frühen Tod bin ich allerdings schon zu alt.
Zahllose Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, die in einer wilden Polonaise durch mein Leben tanzen, jede mit Vor- und Nachteilen, Facetten und Nuancen, ziehen Konsequenzen hinter sich her und werfen ihre Schatten voraus. Dabei möchte ich eigentlich nur in Ruhe umtriebig sein.